Musik ist in ihrem erleben subjektiv
Musik ist Teil der Wahrnehmung und in diesem Sinn objektiv existent
Dieser Teil erscheint als selbstverständlich, ist jedoch durchaus einer näheren Betrachtung wert, da die Auswirkung der Musik als rein subjektiv angesehen werden können, führt die objektive Existenz von Musik evtl. zu einem Widerspruch. Jedoch hilft hier als Erstes die Unterscheidung zwischen der Erzeugung von Musik als rein physikalischem Vorgang und dem Wahrnehmen als physischer Vorgang weiter, zum anderen muss zwischen dem kognitiven Wahrnehmen und dem emotionalen Erleben unterschieden werden. Der physische Vorgang des Wahrnehmens von Musik ist ein Vorgang, der zu aller erst im Ohr stattfindet und als solcher Prozessen unterliegt, die dem Anspruch von Wissenschaft (Verifizierbarkeit der Ergebnisse) unterliegt. Folglich sind die Regeln für diesen Teil der Wahrnehmung von Musik dieselben, wie für jeden anderen Vorgang der wissenschaftlichen Regeln zugehörig ist. Der zweite objektive Vorgang ist das kognitive erfassen von Musik, d.h. das Bewerten der Musik nach den für sie geltenden Regeln der Notation, Akustik usw. Diese Regeln sind jedoch zum Teil willkürlich gewählt, was deutlich wird, das in unterschiedlichen Kulturen auch unterschiedliche Regeln für das Erzeugen von Musik existieren. Zum anderen muss die Musik von ihrer Präsentation getrennt werden, da z.B. bei Opern, Livekonzerten usw. die optischen Reize zum Erleben der Musik auch im subjektiven Teil beitragen und somit die Wahrnehmung der Musik erheblich verändern können. All dies geschieht auf objektiver Ebene und ist nicht das subjektive Erleben der Musik, sagt über die Qualität der Musik an sich auch nichts aus.
Musik ist in ihrem erleben subjektiv
Aus dem oben genannten folgt, das der objektive Aspekt der Musik kein künstlerischer im eigentlichen Sinn ist und durch diesen die wirkliche Bedeutung der Musik allein nicht erschlossen werden kann. Vielmehr muss ein musikalisches Werk uns auf einer emotionalen, also subjektiven Ebene ansprechen, um für uns Bedeutung zu erlangen. Dies ist der wesentliche Unterschied zwischen Kunst und Handwerk, da sich der Künstler einzig um die subjektive Seite kümmert, und zu diesem Zweck auch gegen die objektiven Regeln, die an sich gelten, verstoßen kann. Aus der Sicht des Zuhörers wird damit die Musik von ihrem physischen Vorgang an sich getrennt und berührt den Zuhörer auf einer nicht messbaren Ebene. Diese folgt keinen vorgegebenen Regeln und ist im einzelnen nicht verifizierbar, unterliegt somit auch keinen wissenschaftlichen Regeln. Die Freiheitsgrade, die dadurch entstehen machen aus dem rein handwerklichen Vorgang des Musizierens einen schöpferischen Akt, der in der Regel nicht replizierbar ist. Der große Vorteil den die Musik hier gegenüber anderen Kunstformen hat ist die Einfassung der Musik in einen zeitlichen Rahmen, den nur eine weitere Kunstform in dieser Art zu bieten hat, nämlich die Schauspielerei, welche jedoch vielmehr im objektiven verhaftet ist, da die Musik zu diesem Zweck nur eine indirekte Beschreibung ihres Gegenstandes durch Klang verwendet, während im Schauspiel die direkte Darstellung des behandelten Themas stattfindet. Dem entsprechend wird Musik sehr viel stärker als etwas in uns erlebt als z.B. ein Theaterstück oder ein Film, die viel eher als außerhalb unserer selbst erlebt werden.
Musik und Präsentation
Je nachdem, wie Musik präsentiert wird und welche Inhalte sie hat (z.B. gesungenen Text, Einbindung realer Geräusche u.ä.), ist sie in ihrer Objektivität verstärkt oder gehemmt. Die subjektivste Form von Musik und damit die Musik, welche den direktesten Zugang zu uns selbst darstellt, ist die “reine” Instrumentalmusik. In der Oper ist die Objektivierung der Musik sicherlich am stärksten, da sie hier mit schauspielerischen Elementen vollkommen vermischt ist und von diesen nur schwer durch den Intellekt getrennt werden kann. In der populären Musik werden die objektiven Inhalte indes immer wichtiger für den kommerziellen Erfolg, so das die Liveshows mit immer mehr visuellen, in diesem Rahmen objektiven, Inhalten angereichert werden, die die emotionale Wahrnehmung der Musik in eine bestimmte Richtung lenken sollen. Wenngleich natürlich die Objektivität visueller Inhalte auch nur bedingt objektiv ist, da auch diese Wahrnehmung letztlich ausschließlich in unserem Gehirn stattfindet. Zugleich weist dies auf eine schwäche dieser Musik hin, da dies wohl nicht nötig währe, wenn die Aussage dieser Musik an sich ausreichen würde, ihren eigentlichen Gegenstand zu beschreiben. In sofern ist die beste, also reinste, Form der Präsentation von Musik der Tonträger (gleich welcher Art z.B. CD, MP3, Schallplatte etc.), da hier die Subjektivität am stärksten gewahrt wird. Gleichzeitig erklärt das aber auch den Rückgang der Tonträgerverkäufe, da eben die rein subjektive Botschaft dieser Musik als Kaufanreiz oft nicht ausreicht.Da die Musik, zumindest in der industriellen Variante, immer stärker an “reinen” d.h. subjektiv erlebbaren Inhalten verliert, muss sie diesen Mangel durch objektiven Reiz, also Werbung ausgleichen. In letzter Zeit kann man jedoch einen Gegentrend beobachten, der sich in Projekten wie z.B. der Creative Commons niederschlägt und immer weitere Verbreitung unter Musikliebhabern findet. Dies stärkt die “reine” Form der Musik und ihren künstlerischen Aspekt. Ein weiteres Einsatzgebiet für Musik ist die Verwendung im Hintergrund bei z.B. Filmen. Hier ist die Subjektivität der Musik relativ stark ausgeprägt, obwohl sie zusammen mit objektiven Inhalten präsentiert wird. Hier resultiert die Subjektivität aus dem umgekehrten Ansatz, da die Subjektivität der Musik genutzt wird, um die objektiven Inhalte des Films zu subjektivieren. Daraus folgt aber auch, dass nicht jede Musik geeignet ist, um im Film verwendet zu werden und das ihre Stellung im Film (relativ leise z.B.) eher nebensächlich, da unterstützend, ist. Häufig wird die Musik in dieser Sparte gar nicht oder nur sehr schwach wahrgenommen und wirkt daher unbewusst auf den Zuhörer. Wird bei Musik Text z.B. in Form von Gesang eingesetzt, steigt die Objektivität der Musik wiederum an, da die Sprache Inhalte Objektiver vermittelt als “reine” Musik. Jedoch ist dies bei Weitem nicht so ausgeprägt wie bei dem Ergänzen der Musik durch visuelle Inhalte, da die Sprache dasselbe Medium (Schall) wie die Musik verwendet. Dem entsprechend ist auch das geschriebene Wort subjektiver als alle bildenden Künste, da diese wie das Schauspiel, das Objekt direkt zum Gegenstand nehmen, während Sprache nur Synonyme, also Namen und Bezeichnungen verwendet und sich daher der Interpretation des Zuhörers / Lesers stellen muss. Da die entsprechenden Regeln für diese Künste keine bzw. nur eingeschränkte Gültigkeit haben, steigt der Freiheitsgrad dieser Kunstformen, je subjektiver sie sind.
Musik und Wirklichkeit
Der Wahrheitsgehalt von Musik im objektiven Sinn beschränkt sich auf die rationale Bewertung der Einhaltung der Regeln, scheint auf den ersten Blick also ziemlich gering angesiedelt zu sein. Jedoch erreicht die Musik ihr Ziel auf ganz anderen Wegen und die Gegenstände mit denen sich Musik befasst sind, für sich selbst genommen, objektiver Natur. Da die Musik den Zuhörer direkt erreicht, ist und von diesem als direkt in sich selbst erlebt wird ist sie der direkteste Zugang zur Wahrheit, den Kunst haben kann. Da aber jedes Kunstwerk, egal welcher Art, nur ein Abbild seines Gegenstandes liefert, sind die Möglichkeiten der Kunst auf die Wahrnehmung an sich beschränkt und können vom Betrachter / Zuhörer nur innerhalb dieser Wahrnehmung erlebt werden. Daraus folgt, dass auch der Musik nur eine objektive Existenz zukommt, wenn jemand da ist, sie wahrzunehmen. Sie kann also nicht von der Wahrnehmung abgetrennt als Real angesehen werden und ist deshalb der direkteste Weg zur Wahrheit an sich. Diese These fußt, zugegebener Maßen, auf der Ansicht, die schon Schopenhauer vertreten hat, dass die Welt an sich genommen für uns als Menschen keinen direkten Zugang zu einer Wirklichkeit an sich bietet. Unsere Welt, unser Erleben dieser Welt hängt in ihrer Existenz einzig an unserer Wahrnehmung und kann nicht losgelöst von ihr bewiesen werden. Wenn auch etwas außer uns existiert, das die Sinneseindrücke in uns hervorruft, so haben wir keinerlei direkte Kenntnis davon und müssen uns mit dem zufriedengeben, was uns unser Sinnesapparat an Information zur Verfügung stellt. Musik hat jedoch die Eigenschaft von uns nicht als objektiv erlebt zu werden, sondern als direkt in uns selbst. Daraus resultiert ihre Fähigkeit, sich uns als Zugang zur Welt an sich darzustellen und ihren jeweiligen Gegenstand als Wirklichkeit zu erleben. Aus diesem Grund werden wir von Musik auch stärker beeinflusst, als von bildenden Künsten, die in ihrer Wahrnehmung durch uns nicht so direkt als in uns selbst erlebt werden. Die Musik stellt damit den besten Weg zur Welt an sich dar, auch wenn ihre Inhalte aus unserer Wahrnehmung resultieren.