In Kategorien denken…

Erwischt!

Wiedereinmal… in einer Kategorie gewesen, eben beim Aufnehmen eines neuen Songs. Verdammt! Es ist doch immer das Gleiche, da sitzt man da, schreibt Songs und verzettelt sich, weil man glaubt, dass man dieses und/oder jenes ändern muss, weil das andere oder man selbst (was ja noch ginge) vielleicht erwarten, weil andere erwarten, das man eben Musik in dieser und nicht in jener Kategorie macht und das man es eben irgendwem schuldig sei, sich an diese Kategorie zu halten. Zum Teufel damit. Zum Teufel mit all diesen Kategorien. Warum? Eh bloß Marketing, nix weiter. Was sagt es denn aus, ob man das, was man da gerade macht, Rock nennt oder Pop oder eben einfach Musik. Ändert sich die Wahrnehmung der Musik durch Benennen einer Gruppe, zu der sie gehören mag oder vielleicht passt? Nein! Es ist einfach ein Spiel mit der Vermarktung. Wenn ich der Musik die ich da mache ein Etikett ankleben kann, dann kann ich die “Zielgruppe” eingrenzen und meine Marketingstrategie besser festlegen. Das ist alles! Aber liebe Freunde, ich will mich nicht beschränken, schon gar nicht in meiner Zielgruppe. Meine Zielgruppe ist und bleibt jeder, dem meine Musik gefällt. Ob sie ihm als Singer / Songwriter, Rock oder sonst was gefällt… macht das mit euch ab, mein Ding ist das nicht. Will ich denn jedesmal gefangen sein in dem was ich tue? Muss ich bevor ich einen Song als fertig ansehe ein Etikett für ihn zur Hand haben? Und wem nützt das? Dem Zuhörer, damit er weis auf was er sich einlässt? Es ist lebensnotwendig das vorher zu wissen, sonst könnte man ja auf die Idee kommen sich die Musik anzuhören, bevor man sie beurteilt. Ein gewagtes Experiment, nahezu lebensbedrohlich, wenn man bedenkt, das wir hier von Musik reden. Wär’s nur irgendein Gammelfleisch, das könnt man schon verkraften, aber Musik ohne Etikett einfach mal anmachen und sich überraschen lassen? Das geht nicht. Hilfe, da macht einer Kunst, den muss man doch stoppen, oder wenigstens dazu zwingen einen Warnaufkleber anzubringen:”Vorsicht! Unkategorisierte Musik! Musik ohne Kategorie könnte zu Kunstanfällen oder lautem Klatschen führen! Schützen sie ihre Kinder, lassen sie sie keine unkategorisierte Musik hören!” Jetzt mal ehrlich Leute, ist doch doof.

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Zeit

Was sich ändert und was nicht,

das bringt die Zeit,
welche birgt ein Maß Veränderung in sich.
Ob es gerechter wird oder nicht,
das birgt der Mensch,
dieses Maß für Recht, an sich.
Und so ist im Lauf der Zeit begriffen,
ein Leben lang wirst du beschissen.

Von dir selbst und anderen,
von der Zeit und der Welt,
vom Universum
und dem was sonst noch bleibt,
Ja so ist der Lauf der Zeit.

 

Und welches Recht,
so sollt man fragen,
könnte schon für ewig tragen?
Ist doch allem was auf dieser Welt
existent sich schimpft,
der Untergang gleich eingeimpft.
Da erkennt man dann
Mit der Zeit ist jeder dran.

 

Und endet unser Leben dann,
ist unser Werk hi’nieden dann getan,
so ist’s am Ende auch nicht mehr,
gleich dem vorangegangen,
im Lauf der Zeit gefangen.

 

Und so endet was im Großen ganzen
nichts gewesen worden war,
typisch menschlich WUNDERBAR!

 

(Dirk Kelm: 29.09.2011)

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Betrachtungen zur Musik Teil 2

Die Musik aus Sicht des Komponisten

Alles Kunst oder was?

Was dem Automechaniker sein Werkzeug sind dem Komponisten die Noten. Wenn es doch nur so einfach wäre – Kunst gleich Handwerk – doch leider macht uns da die Wahrnehmung einen Strich durch die Rechnung. Denn ein Automobil, so bewegend es auch sein mag ist kein Kunstwerk, auch dann nicht wenn man den Erbauern Kreativität natürlich zu gestehen muß. Der Komponist steht immer vor der Frage warum ist denn meines Kunst und seines nicht, obwohl doch für beides Kreativität als Grundlage unabdingbar ist und bleibt. Der Unterschied ist folgender: ein Auto kann zwar die Phantasie beflügeln, ist aber in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand. Dies gilt für ein Musikstück nur als zweitrangig, wenn überhaupt. Der Handwerker und der Erfinder eines Gebrauchsgegenstandes arbeiten im objektiven Bereich der Wahrnehmung, der Künstler im subjektiven. Der Komponist – um auf die Musik zurück zu kommen, obwohl das hier gesagte analog für jede Kunst stehen kann – bewegt sich immer am Rande der Objektivität. Seine Anliegen ist es das Objektive zu beschreiben und es in Beziehung zum Wahrnehmenden, also dem Subjekt, darzustellen. Auf dieser Grundlage kann der Künstler aber niemals etwas erschaffen, was einen objektiven, allgemeingültigen Wert darstellt. Darin besteht aber auch sein größtes Problem, denn er selbst nimmt sein Kunstwerk als etwas reales, objektiv vorhandenes wahr, will aber das Augenmerk des Betrachters (dies ist allgemein zu verstehen, schließt also den Zuhörer mit ein) auf das Objekt lenken, welches er mit dem Kunstwerk beschreiben will. Wenn also das Kunstwerk selbst eine für den Künstler objektive Existenz hat und das was er Beschreibt im objektiven Bereich zu suchen ist, dann ist das einzige was den Betrachter dazu in Beziehung setzt die Wahrnehmung des Kunstwerks durch den Betrachter. Der Betrachter eines Kunstwerks ist der subjektive Aspekt mit dem der Künstler arbeiten muss. Der Betrachter ist das Ziel, welche es zu erreichen gilt. Doch dieses Ziel ist eben durch seine Subjektivität fast unmöglich zu fassen. Dem entsprechend bewegt sich der Künstler immer an einem schmalen Grad zwischen Objektivität und subjektiver Wahrnehmung verfehlt er diesen - zur einen oder zur anderen Seite – so scheitert er vollständig. Die unendliche Vielfalt der Beziehungen zwischen dem Künstler und dem Betrachter macht aber Kunst erst möglich. Der Urgrund aller Kunst ist die menschliche Subjektivität, unser erkennen in uns selbst.

Der Künstler und sein Betrachter

Die Idee zu einem Musikstück liegt in der subjektiven Wahrnehmung des Künstlers. Was er beschreibt ist Teil seiner eigene Welt. Die Schwierigkeit besteht darin diese anderen zu vermitteln, sie dem Zuhörer zugänglich zu machen. Das was der Zuhörer dann daraus macht wird Teil der Welt des Zuhörers, entspringt aber zu gleichen Teilen der Welt des Komponisten und des Zuhörers. Die Idee, welche dem Zuhörer entfacht durch das Kunstwerk des Komponisten , entspringt, ist ohne die Ursache des Kunstwerks undenkbar. In der Welt des Zuhörers sind das Kunstwerk und seine eigene Welt verbunden. Dies jedoch gilt eben nur in dieser einen Richtung, denn dem Künstler bleibt die Idee des Zuhörers von seinem Kunstwerk verborgen. Er (der Künstler) kann, wenn überhaupt, nur zu einem Teil erkennen ob denn das was er auszudrücken bemüht war beim Zuhörer angekommen ist. Dies erklärt warum der Künstler den Beifall so dringend braucht. Der Beifall ist seine Bestätigung, das etwas beim Zuhörer angekommen ist, wenn der Künstler jedoch immer noch nicht sagen kann was dieses im Detail genau ist. Wie dem Zuhörer die ursprüngliche Idee des Künstlers auf immer verborgen ist, so ist dem Künstler die durch den Zuhörer gefolgerte Idee auf ewig verborgen. Es ist das große Spiel der menschlichen Wahrnehmung, die Welt, die wir uns in unseren Köpfen machen, ist unsere ganze Welt. Wir haben keinen Zugang zu einer anderen. Wir können auch nicht mehr über die Welt erfahren als genau das. Was dem Künstler wirklich vor Augen stand, als er sein Kunstwerk erschuf, ist nur Teil der Welt des Künstlers, jedoch wird es zum Keim einer Idee in einer anderen Welt, der des Betrachters nämlich. Dies macht ihre beiden Welten von einander abhängig, setzt sie zu einer Einheit zusammen, die nie existiert hätte, gäbe es das Kunstwerk nicht, auf das sich beide berufen können.

Der Künstler und sein Werk

Aus dem oben genannten folgen auch die bei Künstlern weit verbreiteten Selbstzweifel, da der Künstler sich nie über das Ergebniss beim Zuhörer sicher sein kann. Das Werk muss und soll für sich selbst stehen und dem Künstler bleibt nicht anderes übrig als zu sagen: “Ich lasse das zu.” Erkann nicht - um es mit mathematischen Begriffen zu beschreiben – auf die Linearität vertrauen. Es ist Nichtlinear. Vielmehr muss er wie beim Umgang mit nichtlinearen Gleichungen eine Unsicherheit über das Ergebniss zulassen und sich selbst zugestehen, das er keine Kontrolle über sein Kustwerk hat sobald er es veröffentlicht. Hier wird ein weiterer Unterschied zwischen Künstler und Handwerker deutlich. Der Handwerker und auch der Erfinder, haben am Ende ihres Schaffenswerkes vorhersagbare Ergebnisse stehen, der Künstler nicht. Das erschaffen eines Kunstwerkes aus Sicht des Künstlers lässt sich mit Kindererziehung vergleichen. Das Kind wird geboren und alles was den Eltern zu tun übrig bleibt ist dem Kind ihr wissen mit zu geben und ihm die Möglichkeit einzuräumen seinen Lebensweg selbst zu entwickeln. Vorgeben welchen Lebensweg das Kind nehmen wird können die Eltern nicht. Was das Kind aus dem Erlernten machen wird liegt nur sehr begrenzt in der Hand der Eltern. Dies ist eben auch das Merkmal des Künstlers in Bezug auf sein Kunstwerk. Was es bewirkt, wie es sich entwickelt und was andere daraus machen liegt nicht in der Hand des Künstlers. Am Ende muß der Künstler sein Kunstwerk sich selbst überlassen.

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Betrachtungen zur Musik Teil 1

Das Erleben von Musik durch den Hörer

Inhalt

  1. Grundannahmen
  2. Musik und Präsentation
  3. Musik und Wirklichkeit

 

Grundannahmen

  • Musik ist Teil der Wahrnehmung und in diesem Sinn objektiv existent
  • Musik ist in ihrem erleben subjektiv

    Musik ist Teil der Wahrnehmung und in diesem Sinn objektiv existent

    Dieser Teil erscheint als selbstverständlich, ist jedoch durchaus einer näheren Betrachtung wert, da die Auswirkung der Musik als rein subjektiv angesehen werden können, führt die objektive Existenz von Musik evtl. zu einem Widerspruch. Jedoch hilft hier als Erstes die Unterscheidung zwischen der Erzeugung von Musik als rein physikalischem Vorgang und dem Wahrnehmen als physischer Vorgang weiter, zum anderen muss zwischen dem kognitiven Wahrnehmen und dem emotionalen Erleben unterschieden werden. Der physische Vorgang des Wahrnehmens von Musik ist ein Vorgang, der zu aller erst im Ohr stattfindet und als solcher Prozessen unterliegt, die dem Anspruch von Wissenschaft (Verifizierbarkeit der Ergebnisse) unterliegt. Folglich sind die Regeln für diesen Teil der Wahrnehmung von Musik dieselben, wie für jeden anderen Vorgang der wissenschaftlichen Regeln zugehörig ist. Der zweite objektive Vorgang ist das kognitive erfassen von Musik, d.h. das Bewerten der Musik nach den für sie geltenden Regeln der Notation, Akustik usw. Diese Regeln sind jedoch zum Teil willkürlich gewählt, was deutlich wird, das in unterschiedlichen Kulturen auch unterschiedliche Regeln für das Erzeugen von Musik existieren. Zum anderen muss die Musik von ihrer Präsentation getrennt werden, da z.B. bei Opern, Livekonzerten usw. die optischen Reize zum Erleben der Musik auch im subjektiven Teil beitragen und somit die Wahrnehmung der Musik erheblich verändern können. All dies geschieht auf objektiver Ebene und ist nicht das subjektive Erleben der Musik, sagt über die Qualität der Musik an sich auch nichts aus.

    Musik ist in ihrem erleben subjektiv

    Aus dem oben genannten folgt, das der objektive Aspekt der Musik kein künstlerischer im eigentlichen Sinn ist und durch diesen die wirkliche Bedeutung der Musik allein nicht erschlossen werden kann. Vielmehr muss ein musikalisches Werk uns auf einer emotionalen, also subjektiven Ebene ansprechen, um für uns Bedeutung zu erlangen. Dies ist der wesentliche Unterschied zwischen Kunst und Handwerk, da sich der Künstler einzig um die subjektive Seite kümmert, und zu diesem Zweck auch gegen die objektiven Regeln, die an sich gelten, verstoßen kann. Aus der Sicht des Zuhörers wird damit die Musik von ihrem physischen Vorgang an sich getrennt und berührt den Zuhörer auf einer nicht messbaren Ebene. Diese folgt keinen vorgegebenen Regeln und ist im einzelnen  nicht verifizierbar, unterliegt somit auch keinen wissenschaftlichen Regeln. Die Freiheitsgrade, die dadurch entstehen machen aus dem rein handwerklichen Vorgang des Musizierens einen schöpferischen Akt, der in der Regel nicht replizierbar ist. Der große Vorteil den die Musik hier gegenüber anderen Kunstformen hat ist die Einfassung der Musik in einen zeitlichen Rahmen, den nur eine weitere Kunstform in dieser Art zu bieten hat, nämlich die Schauspielerei, welche jedoch vielmehr im objektiven verhaftet ist, da die Musik zu diesem Zweck nur eine indirekte Beschreibung ihres Gegenstandes durch Klang verwendet, während im Schauspiel die direkte Darstellung des behandelten Themas stattfindet. Dem entsprechend wird Musik sehr viel stärker als etwas in uns erlebt als z.B. ein Theaterstück oder ein Film, die viel eher als außerhalb unserer selbst erlebt werden.

     

    Musik und Präsentation

    Je nachdem, wie Musik präsentiert wird und welche Inhalte sie hat (z.B. gesungenen Text, Einbindung realer Geräusche u.ä.), ist sie in ihrer Objektivität verstärkt oder gehemmt. Die subjektivste Form von Musik und damit die Musik, welche den direktesten Zugang zu uns selbst darstellt, ist die “reine” Instrumentalmusik. In der Oper ist die Objektivierung der Musik sicherlich am stärksten, da sie hier mit schauspielerischen Elementen vollkommen vermischt ist und von diesen nur schwer durch den Intellekt getrennt werden kann. In der populären Musik werden die objektiven Inhalte indes immer wichtiger für den kommerziellen Erfolg, so das die Liveshows mit immer mehr visuellen, in diesem Rahmen objektiven, Inhalten angereichert werden, die die emotionale Wahrnehmung der Musik in eine bestimmte Richtung lenken sollen. Wenngleich natürlich die Objektivität visueller Inhalte auch nur bedingt objektiv ist, da auch diese Wahrnehmung letztlich ausschließlich in unserem Gehirn stattfindet. Zugleich weist dies auf eine schwäche dieser Musik hin, da dies wohl nicht nötig währe, wenn die Aussage dieser Musik an sich ausreichen würde, ihren eigentlichen Gegenstand zu beschreiben. In sofern ist die beste, also reinste, Form der Präsentation von Musik der Tonträger (gleich welcher Art z.B. CD, MP3, Schallplatte etc.), da hier die Subjektivität am stärksten gewahrt wird. Gleichzeitig erklärt das aber auch den Rückgang der Tonträgerverkäufe, da eben die rein subjektive Botschaft dieser Musik als Kaufanreiz oft nicht ausreicht.Da die Musik, zumindest in der industriellen Variante, immer stärker an “reinen” d.h. subjektiv erlebbaren Inhalten verliert, muss sie diesen Mangel durch objektiven Reiz, also Werbung ausgleichen. In letzter Zeit kann man jedoch einen Gegentrend beobachten, der sich in Projekten wie z.B. der Creative Commons niederschlägt und immer weitere Verbreitung unter Musikliebhabern findet. Dies stärkt die “reine” Form der Musik und ihren künstlerischen Aspekt. Ein weiteres Einsatzgebiet für Musik ist die Verwendung im Hintergrund bei z.B. Filmen. Hier ist die Subjektivität der Musik relativ stark ausgeprägt, obwohl sie zusammen mit objektiven Inhalten präsentiert wird. Hier resultiert die Subjektivität aus dem umgekehrten Ansatz, da die Subjektivität der Musik genutzt wird, um die objektiven Inhalte des Films zu subjektivieren. Daraus folgt aber auch, dass nicht jede Musik geeignet ist, um im Film verwendet zu werden und das ihre Stellung im Film (relativ leise z.B.) eher nebensächlich, da unterstützend, ist. Häufig wird die Musik in dieser Sparte gar nicht oder nur sehr schwach wahrgenommen und wirkt daher unbewusst auf den Zuhörer. Wird bei Musik Text z.B. in Form von Gesang eingesetzt, steigt die Objektivität der Musik wiederum an, da die Sprache Inhalte Objektiver vermittelt als “reine” Musik. Jedoch ist dies bei Weitem nicht so ausgeprägt wie bei dem Ergänzen der Musik durch visuelle Inhalte, da die Sprache dasselbe Medium (Schall) wie die Musik verwendet. Dem entsprechend ist auch das geschriebene Wort subjektiver als alle bildenden Künste, da diese wie das Schauspiel, das Objekt direkt zum Gegenstand nehmen, während Sprache nur Synonyme, also Namen und Bezeichnungen verwendet und sich daher der Interpretation des Zuhörers / Lesers stellen muss. Da die entsprechenden Regeln für diese Künste keine bzw. nur eingeschränkte Gültigkeit haben, steigt der Freiheitsgrad dieser Kunstformen, je subjektiver sie sind.

     

    Musik und Wirklichkeit

    Der Wahrheitsgehalt von Musik im objektiven Sinn beschränkt sich auf die rationale Bewertung der Einhaltung der Regeln, scheint auf den ersten Blick also ziemlich gering angesiedelt zu sein. Jedoch erreicht die Musik ihr Ziel auf ganz anderen Wegen und die Gegenstände mit denen sich Musik befasst sind, für sich selbst genommen, objektiver Natur. Da die Musik den Zuhörer direkt erreicht, ist und von diesem als direkt in sich selbst erlebt wird ist sie der direkteste Zugang zur Wahrheit, den Kunst haben kann. Da aber jedes Kunstwerk, egal welcher Art, nur ein Abbild seines Gegenstandes liefert, sind die Möglichkeiten der Kunst auf die Wahrnehmung an sich beschränkt und können vom Betrachter / Zuhörer nur innerhalb dieser Wahrnehmung erlebt werden. Daraus folgt, dass auch der Musik nur eine objektive Existenz zukommt, wenn jemand da ist, sie wahrzunehmen. Sie kann also nicht von der Wahrnehmung abgetrennt als Real angesehen werden und ist deshalb der direkteste Weg zur Wahrheit an sich. Diese These fußt, zugegebener Maßen, auf der Ansicht, die schon Schopenhauer vertreten hat, dass die Welt an sich genommen für uns als Menschen keinen direkten Zugang zu einer Wirklichkeit an sich bietet. Unsere Welt, unser Erleben dieser Welt hängt in ihrer Existenz einzig an unserer Wahrnehmung und kann nicht losgelöst von ihr bewiesen werden. Wenn auch etwas außer uns existiert, das die Sinneseindrücke in uns hervorruft, so haben wir keinerlei direkte Kenntnis davon und müssen uns mit dem zufriedengeben, was uns unser Sinnesapparat an Information zur Verfügung stellt. Musik hat jedoch die Eigenschaft von uns nicht als objektiv erlebt zu werden, sondern als direkt in uns selbst. Daraus resultiert ihre Fähigkeit, sich uns als Zugang zur Welt an sich darzustellen und ihren jeweiligen Gegenstand als Wirklichkeit zu erleben. Aus diesem Grund werden wir von Musik auch stärker beeinflusst, als von bildenden Künsten, die in ihrer Wahrnehmung durch uns nicht so direkt als in uns selbst erlebt werden. Die Musik stellt damit den besten Weg zur Welt an sich dar, auch wenn ihre Inhalte aus unserer Wahrnehmung resultieren.

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